Lymphe

(griechisch = klares Wasser)
Ähnlich wie unser Blutgefäßsystem durchzieht unser Lymphsystem den ganzen Körper. Es besteht aus unterschiedlichen Gefäßabschnitten und zwischengeschalteten Lymphknoten. Die Lymphflüssigkeit aus dem oberflächlichen System hat wohl jeder schon einmal gesehen: Bei einer Verletzung tritt neben dem Blut auch eine durchsichtige bis milchige Flüssigkeit aus, die Lymphe. Im Wesentlichen dient dieses System dem Transport und dem Abfluss, reguliert die Flüssigkeitsbalance im Körper. Lymphknoten sind vor allem im Zusammenhang mit dem Immunsystem bekannt.

Wann und warum Lymphdrainage?

Vor allem Frauen in den mittleren Lebensjahren kennen das: Im Sommer schwellen die Unterschenkel und Füße an - es entsteht ein Flüssigkeitsstau, das sog. "Wasser in den Beinen". Diese Schwellung zeigt an, dass die Kraft, mit der das Lymphsystem die Flüssigkeiten in den Blutkreislauf transportieren soll, nicht mehr ausreicht. Ein sonst gesundes System ist überlastet und braucht Unterstützung. Mit der manuellen Lymphdrainage "schieben" wir die aus Wasser und Eiweiß bestehende Lymphflüssigkeit wieder in Richtung des Venenwinkels (oberhalb des Schlüsselbeins), wo sie vom Blutkreislauf aufgenommen, weitergeleitet und über die Niere ausgeschieden wird. Viele andere Gründe für das Anschwellen einzelner oder mehrerer Körperteile sind möglich. Meist sind Arme oder Beine betroffen. Unfälle, größere Verletzungen, Operationen - all das kann das Lymphsystem so stark beanspruchen, dass es seiner ableitenden Funktion nicht mehr ausreichend nachkommen kann.

Durch die manuelle Lymphdrainage werden sowohl alle vorhandenen Gefäße zu einer optimalen Arbeit angeregt als auch die Bildung neuer Lymphgefäße unterstützt. Lymphgefäße, die vorher nur wenig Flüssigkeit transportiert haben, arbeiten verstärkt, als würden im Körper "Feldwege zu Landstraßen und Autobahnen" ausgebaut werden. Dieses Bild beschreibt treffend die manuelle Lymphdrainage zum Beispiel bei Krebserkrankungen oder anderen Operationen, die die Entfernung von Lymphknoten nötig machten.

Lymphdrainage - schmerzhaft oder angenehm?

Die Behandlung erfolgt im Liegen oder Sitzen und dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Lymphdrainage ist ruhig und entspannend, wir arbeiten mit leichtem Druck (das oberflächliche System befindet sich gleich unter der Haut) und kreisenden oder pumpenden Bewegungen. Unmittelbar nach der Behandlung, manchmal schon währenddessen, spüren Sie mehr Leichtigkeit im betroffenen Gebiet. Dieses Gefühl hält je nach Schwere der Erkrankung einige Stunden bis zu mehreren Tagen an. Ihr Arzt wird Ihnen häufig unterstützende Kompression in Form von Bandagen, Strümpfen oder Strumpfhosen verordnen, um den Behandlungserfolg zu konservieren.

(Titelbild - Rosel Eckstein/pixelio.de)